Während die Zeit zwischen Bestellung und Abholung nicht schnell genug vergehen konnte, verfliegt sie jetzt geradezu und ich musste mich dazu zwingen endlich ein paar erste Eindrücke aufzuschreiben, bevor sie wieder verflogen sind.

Am Montag war es soweit. Einen Tag früher als angekündigt war unser Auto zur Abholung bereit. Am Freitag zuvor kam beim Einkaufen der Anruf. Der freundliche Tesla-Mitarbeiter hat auch direkt erwähnt, dass für die Übergabe nur etwa 15 Minuten eingeplant wären. Das ist natürlich sehr knapp, war allerdings zu erwarten. Dass Tesla zum Quartalsende hin wieder einmal alles gibt, um so viele Fahrzeuge wie möglich auszuliefern, konnte man sich denken wenn man das Geschehen vor drei Monaten beobachtet hat. Alleine in München, so hatten wir dann erfahren, sind es in den letzten Tagen des Vierteljahres zirka 80 pro Tag. Während unserer kurzen Anwesenheit im Delivery- und Servicecenter wurden mehrere Transporter voll mit Model 3 angekarrt und abgeladen.

Leider wollte das Wetter nicht so richtig mitspielen. Während die Tage davor spätsommerlich oder frühherbstlich schön waren, regnete es am Montag erst ein bisschen – später in Strömen. Wir waren frühzeitig da und es wurde auch direkt klar warum man uns empfohlen hat nicht auf dem Hof zu parken. Der war voll und der restliche Platz wurde zum abladen und rangieren der Neufahrzeuge gebraucht. Tesla hantiert derzeit wohl mit einem Wachstum, von dem andere Hersteller und Händler nur träumen können. Mit uns wurden zeitgleich fünf andere Menschen mit einem neuen Auto beglückt – es herrschte reger Betrieb. Wir mussten ein wenig länger warten als geplant, aber die Zeit verging dann doch überraschend schnell.

Vom freundlichen Mitarbeiter wurden wir in die Halle geführt, in der die zur Abholung vorbereiteten Fahrzeuge warteten. Er fuhr das Auto an einen etwas zugänglicheren Platz, der uns die Möglichkeit gab es genauer unter die Lupe zu nehmen. Wenn ich ehrlich bin, habe ich das in der Vergangenheit nie gemacht. Ich war nie jemand der aufs letzte Detail Wert gelegt hat und den der letzte Millimeter bei Spaltmaßen sonderlich interessiert hat. Viel wurde über Auslieferungsmängel geschrieben und auch in Videos verkündet (am meisten Aufmerksamkeit dürfte dieses Video von Nextmove erzeugt haben). Nicht ganz zu unrecht: Die Mängel die in Fotos und Videos gezeigt wurden, ließen auf große Qualitätsprobleme schließen. Demgegenüber standen aber auch eine Menge positiver Berichte in Foren und bei Youtube. Ich bin einerseits erfahren genug um zu wissen, dass negative Berichte immer häufiger und schneller auftauchen als positive und auch gelassen genug um mich trotzdem darauf einzulassen und im Zweifel mit den anschließenden Hürden (Stichwort: Mängelbehebung) zu leben bzw. zurechtzukommen.

Und was soll ich sagen: Es hat sich aus heutiger Sicht mehr als gelohnt. Einerseits waren die Mängel sehr überschaubar (dazu in einem eigenen Beitrag später mehr), andererseits ist da dieses fantastische Auto. Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll und im Grunde kann man es auch schlecht beschreiben sondern muss vieles davon einfach erleben. Vermutlich hat mein Hang zur Technik einen mindestens ebensogroßen Einfluss wie meine Vorliebe für gutes und einfaches Design. Bisher war ich bei Autos immer sehr pragmatisch: Bei den letzten Autos war immer wichtig dass sie möglichst geräumig sind und eine hohe Sitzposition war vorteilhaft. Ich bin groß und (viel zu) schwer, keine guten Voraussetzungen für niedrige Sitzhöhen und knappe Einstiege. Nun ist das Model 3 kein Ferrari und durchaus sehr bequem, aber sowohl Geräumigkeit als auch Sitzposition erinnern eher an einen 3er BMW denn an einen Touran oder Tiguan – unsere letzten Autos.

Das war auch eine meiner größten Sorgen vor der Probefahrt. Passe ich da überhaupt rein? Fühle ich mich wohl? Wie ist das ein- und aussteigen? Ja, das ein- und aussteigen ist logischerweise anders – auch mühsamer. Aber es ist einfach jede Mühe wert und die Platzsorgen waren völlig fehl am Platz. Das Model 3 bietet innen ausreichend Platz für mich und damit wohl auch für den größten Teil der Menschheit. Selbst im Fond ist deutlich mehr Bein- und Kopffreiheit vorhanden als man es dem Auto auf den ersten Blick zutrauen würde.

Ich will jetzt nicht zu sehr ins schwärmen kommen, aber so ein bisschen muss ich noch: Ich konnte mich noch selten für die Formen eines Autos begeistern, aber hier ist einfach vieles dran was mir richtig gefällt. Diese Mischung aus wohlgeformten Kurven und ebenso gut platzierten Kanten geben diesem Auto einen wundervollen Charakter. Eine Mischung aus Eleganz und Sportlichkeit.

Vor allem im Innenraum wird es für mich besonders spannend. Schließlich seh ich das Auto meistens von innen. Diejenigen, die mich kennen werden nun denken „natürlich gefällt Dir das, nur ein iPad – was brauchst Du schon mehr?“. Jain. Auch ich hatte meine Zweifel ob die Minimierung hier nicht ein wenig übertrieben wurde. Ich habe mich natürlich lange genug gedanklich mit dieser Frage auseinandergesetzt, aber die Probefahrt im Mai hat alle Zweifel recht schnell weggewischt. Zwar hat sich automatische Blick zur Geschwindigkeitsanzeige nach rechts statt nur nach unten auf einen Tacho, der hier nicht mehr ist, nicht in dieser ersten Stunde eingestellt, wohl aber in den ersten drei Tagen, die wir das Auto jetzt haben. Es ist faszinierend wie schnell eine solche Umstellung des „muscle memory“ vonstatten gehen kann.

Viel besser als ich das könnte hat Christoph Reichelt bereits vor längerem in seinem Blog über das Design des Model 3 geschrieben. In den beiden Beiträgen „Konservativer Revolutionär“ und „Als Klassiker geboren“ schreibt er auf sehr angenehme Weise über seine Sicht als Produktdesigner. Das war in der Zeit nach der Vorstellung und vor der Auslieferung der ersten Autos – seit ein paar Wochen fährt Christoph sein eigenes Model 3.

Auch der Rest des Innenraums hat mich auf Anhieb überzeugt. Abgesehen von der optischen Aufgeräumtheit bietet das Model 3 sehr bequeme Sitze, hochwertige Materialien und eine Verarbeitung die meinen Ansprüchen mehr als genügt. Die Zeit muss zeigen an welchen Stellen vielleicht doch noch mehr Kritik auftaucht, die jetzt durch die anfängliche „Verliebtheit“ abgedeckt wird. Im Moment ist es für uns einfach ein Auto zum genießen.

Neben all den optischen Wohtaten ist da aber natürlich auch das Fahrgefühl. Vermutlich das wichtigste Element. Nach zahlreichen Probefahrten ist es am Ende nochmal ganz was anderes dieses Elektrofahrgefühl im eigenen Auto und im Alltag zu erleben. Dieses sanfte und lautlose davonschweben. Natürlich weicht es bei mehr als nur Schrittgeschwindigkeit den Geräuschen, die auch elektrisch nicht wegzubekommen sind: Wind und Reifenrollgeräusche sind noch etwas deutlicher hörbar als in anderen Autos – jedoch für mich nicht auf eine unangenehme Art. Es sind am Ende die gewohnten Geräusche.

Und dann ist da natürlich noch die Kraft. Ich bin ein sehr gemütlicher Autofahrer. In letzter Zeit ertappe ich mich eher dabei mal zu langsam zu fahren als zu schnell. Auf der Autobahn quasi nie über 160, meistens eher 120-140 (Tempolimit jetzt!). Daran wird sich auch durch das neue Auto erstmal nichts ändern. Für uns war die Performance-Variante des Model 3 auch nie auch nur einen Gedanken wert. Auch wenn sie nach der Preisänderung im Juli quasi gleichteuer gewesen wäre, wie der Preis den wir zuvor schon bereit waren für das mittlere Modell auszugeben. Wir haben uns stattdessen für die Preisreduktion entschieden. Das ändert aber ja nichts daran, dass dieses Fahrzeug egal in welcher Variante einfach Kraft im Überschuss hat. Und die ist schon schwer zu beschreiben. Beim Auffahren auf die Autobahn aus 80-100 kurz „Pedal to the metal“ und es stehen 150 auf dem Display. Man spürt mit allen Sinnen die Kraft die an vier Rädern gleichzeitig nach vorne schiebt und das Lenkrad gerade ausrichten will. Eigentlich schon fast zu viel für mich aber dennoch schlicht beeindruckend. Ich hab dann mal den „Lässig“ Fahrmodus ausprobiert und beschlossen erstmal dabei zu bleiben. Er erfordert ein wenig Fußspitzengefühl und bietet immer noch gefühlt die doppelte Leistung wie zuvor unser 200-PS-Tiguan.

Zu erwähnen wäre dann noch, dass die Fahrt mit den Beschleunigungstests am Ende nach ca. 24km mit einem Durschnittsverbrauch von nur 146Wh/km abgeschlossen wurde. Und das ist dann viel eher als die Performance ein Grund der für uns für dieses Auto spricht: Beeindruckende Effizienz.

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6 Kommentare

  1. Alles Gute und viel Spaß mit dem neuen Flitzer!! Kann es kaum erwarten bis auch wir unser Auto ersetzen … Noch fahren wir einen Mini, der auch viel Spaß macht. Aber wie könnte es anders sein: es soll natürlich ebenfalls baldmöglichst ein Tesla sein. Gute Fahrt !!

    1. Danke, den Spaß haben wir. Viel Erfolg auf der Jagd nach dem baldigen Tesla und immer gerne Fragen stellen, wenn welche auftauchen.

  2. Tolle Berichte! Dankeschön. Und ich kann sie absolut nachvollziehen. Selbst nach 25.000 km lässt das (bei mir) nicht nach. Dein Verbrauch ist klasse.
    Viel Spaß und gute Fahrt weiterhin.

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